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Case Modding, Computer
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| Geposted am / Date | 22.03.2006 14:25:04 |
| von / from | fnark@mailinator.com |
| Name des Forums / Name of the forum : | Sonstige Sammelgebiete |
| Mitteilung: |
Wie versprochen, hier der letzte Artikel dazu Tiefer gelegt und aufgebohrt Mit viel Fantasie und Liebe zum Detail verschönern Computerbegeisterte ihre grauen Kisten – die Industrie wittert ein Geschäft Muss ein PC eckig und grau, sein? Nein, sagen die „Case-Moddet". Ähnlich wie Autoliebhaber ihre BMWs tiefer legen und mit Spoilern versehen, werden beim Case-Modding die Computer zu Kunstwerken. Die Resultate stellt die :Szene im Internet und auf Partys zur schau. Von Jens Kitzler „Den Kühlrotor hab ich aus einem alten59er, den ich selbst noch gefahren bin. Und die Armaturen kommen aus einem 69er Lotus. Ja, wassergekühlt ist meiner auch." Autobastler Oldtimerfans unter sich, meint man. Aber Rainer Wingender redet von seinem Computer. Denn er betreibt Case-Modding, was ins Deutsche übersetzt ungefähr „Modifizieren des Gehäuses" bedeutet. Case-Modder wollen sich nicht damit abfinden, dass Computer immer graue Kisten sind. Also legen sie selbst Hand an. Das mindeste ist eine aufwendige Lackierung des Gehäuses: ob grelles Flammenmeer, düstere Totenschädel oder bunte Comicfiguren - Hauptsache weg mit dem Einheitsbeige. Die meisten Case-Modder aber tunen in wochenlanger Arbeit auch die Prozessoren ihrer Lieblinge und schützen sie, mit einer Wasserkühlung vor der Gefahr des Oberhitzens. Das Ganze wird mit einer bunten Innenbeleuch¬tung in Szene gesetzt, und damit man die auch sieht, fräsen die Bastler fantasievolle Plexiglasfenster in die Gehäusewand. Puris¬ten bauen ihre Behältnisse sogar komplett aus Acrylglas, anderen ist der Einblick ins Innere dagegen nicht so wichtig - dafür kommt ihr PC im orangen Flokatipelz daher. „Gebastelt wurde an Computern schon- im¬mer, aber im Laufe der Jahre hat sich das Design von dem abgekoppelt, was. innen drin ist", sagt Rainer Wingender. Nicht mal die Ölwanne fehlt Den Beweis dafür hat er mit seinem „V8" gebaut: Zwei Rechner hat der Bayer in Form, eines Achtzylindermotors zusammengesetzt und mit Armaturen eines Autos garniert - selbst die Ölwanne fehlt nicht. Das Ganze funktioniert auch. „Der V8 ist mein Arbeitsrechner", sagt der Geschäftsführer einer Beratungsfirma, “darauf läuft ein ganz normales Windows-Betriebssystem." Obwohl er damit nur die typische Büroarbeit eines Mittelständ¬ lers erledigt, interessieren sich jetzt auch Fernsehsender für sein Ungetüm. Das liegt einerseits daran, dass Wingender mit dem “V8" die vergangenes Jahr erstmalig ausgetra”gene deutsche Case-Modding-Meisterschaft gewonnen hat. Andererseits hat sich Mode ding zu einer schillernden Szene entwickelt ,;Seit zwei Jahren wurde es immer auffälliger", bestätigt Wingender, „und seit einem halben Jahr gibt es einen richtigen Boom:" Wann immer sich Spielefreaks mit ihren Rechnern bei Netzwerkpartys treffen, wird dort inzwischen auch der, schönste, PC gekürt. Allein in Deutschland sind mittleweile dutzende Webseiten zum Thema registriert. In Galerien präsentieren die Modder technische Daten und Fotos ihrer Kunstwerke, in den Diskussionsforen fachsimpeln sie über Kaltlichtkathoden, mit denen das Innere des Computers beleuchtet wird. Sie stellen im Internet ;,Wasserkühler mit innenliegenden Pumpen" vor und diskutieren über so genannte „Blowholes" - wer noch mit Luft kühlt; sollte den Ventilator wenigstens stilvoll ins System integriert hallen. Der Industrie ist die Entwicklung nicht verborgen geblieben. „Der Boom ist Ende 2001 losgegangen", bestätigt Eyla Hassenpflug vom Computerversand Pearl.de. „Auf der diesjährigen Cebit waren" Modding-Artikel bei uns ein Renner: "Längst vertreiben Großhändler fertige Bauteile, Firmen wie Caseking haben sich gar ausschließlich auf das Tuning, von Rechnern konzentriert. Bei Händlern einfach einzukaufen ist aber in der Szene verpönt: „Wer mit Fertigteilen ankommt, wird von seinen Modding-Kollegen in der Luft zerrissen", weiß Wingender. Der PC im Bierkasten Case-Modder Bastian Stahmer befürchtet angesichts dieser Entwicklung einen Ausverkauf der Szene: “Jetzt kann man schon fertig geschnittene Seitenfenster kaufen”, bedauert der Schüler kopfschüttelnd. „Dadurch geht das Besondere verloren." Streng genommen hat auch Stahmer Fertigteile für seinen „Mod" verwendet: Der 20-Jährige hat näm¬lich seinen Rechner einfach in einen Bierkasten der Marke Becks eingebaut- aus einem der beiden Griffe fährt nun bei Bedarf das CD-Rom-Laufwerk heraus. Aus der Stuttgarter Zeitung vom 9. April 2003 |
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